Eher nicht…

Zur Zeit geistert ja mal wieder die Tatsache durch die Medien, dass die Euro-Schuldenkrise vorhersehbar war, nicht selten verbunden mit der Behauptung, dass damit die ganze Währung als im Grunde intrinsisch fehlerbehaftet und in direkter Konsequenz schrottreif zu betrachten sei.

Und ja, es stimmt, durch die Stabilität (!) des Euros, kombiniert mit der exzessiven Ausgabenpolitik gewisser südeuropäischer Regierungen war es in der Tat bloß eine Frage der Zeit, bis deren Schulden zum gesamteuropäischen Problem werden musste, und es im Zuge der Finanzkrise 2008 (inklusive geplatzter spanischer Immobilienblase) auch wurden.

Ok.

Aber dann die Schuld für die Misere allein auf die Existenz des Euros zu schieben, aber die vorhersehbar schlechten Entscheidungen in der nationalen Politik bestimmter Länder damit so gut wie freizusprechen – das ist, meiner Meinung nach, zu kurz gedacht. (Und man darf wohl bezweifeln, ob wir heute besser daständen, wenn die EZB durch laxere Zinspolitik den entsprechenden Regierungen entgegengekommen wäre.)

Mir erscheint, trotz einer möglichen Ausdehnung der Krise auf Länder wie Spanien oder Italien, ein Zerfall des Euros unwahrscheinlich. Natürlich wird man mit solchen Prognosen immer gerne von den tatsächlichen Ereignissen überrollt…. aber es gibt eben auch die gigantischen Kosten einer solchen Umstellung zu bedenken, die völlig unklare Rechtslage zum Austritt einzelner Länder, die Folgekosten durch Auf- und Abwertung der neu entstandenen Währungen.

Und zu welchem vorherigen Zustand würde diese zerfallen Eurozone überhaupt zurückkehren wollen? Zum alten Europäischen Währungssystem? Das würde aber vermutlich, genau wie in früheren Krisen, selbst wiederum Staatsgelder brauchen, um all die verschiedenen Währungen auch gegen die Angriffe von Spekulanten im Schwankungsrahmen zu halten. Oder zum System völlig frei schwankender Währungen? Das aber würde all die erwähnten Folgekosten eines solchen Zerfalls noch erheblich steigern.

Es ist den Politikern in Europa natürlich unmöglich, die exakten Folgen eines Zerfalls des Euroraums vorherzusehen – das Potential für geradezu gigantische Verluste auf allen Seiten ist aber vorhanden und bekannt. Die Unwägbarkeit der Situation sowie die wirtschaftlichen und politischen Risiken eines solchen Auseinanderbrechens wiegen aber umso schwerer, da keine mit Sicherheit bessere Alternative bekannt ist.

Daher also folgende Prognose: Der Euro wird überleben.

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